Infos zum Ablauf

Diese Infos stammen dankenswerterweise vom Soundforge Tonstudio in Berlin und sind über deren Homepage: http://www.sf-berlin.de/ zu erreichen.

Wie entsteht ein Song im Tonstudio ?

Natürlich gibt es mehrere Möglichkeiten, wie ein Song im Studio aufgenommen wird. Musiker und Techniker sollten sich daher zusammensetzen und ihre Vorstellungen besprechen, wie die gewünschte Produktion verwirklicht werden soll... (z.B. Klick oder kein Klick, Live-Takes, Overdubs etc.)

Überblick (Beispiel):

1. Das Schlagzeug wird zuerst aufgenommen, wobei zur Orientierung ein Gitarrist/Bassist oder mehrere andere Musiker mitspielen. Deren Spiel wird zusätzlich mit aufgezeichnet und man nennt diese Aufnahmen PILOTSPUREN. Ziel: eine perfekte Schlagzeug-Aufnahme! Kopfhörer für den Schlagzeuger sind Pflicht. Er muss eventuell Klick und natürlich die anderen Instrumente hören können, ohne dass diese von den Mikrofonen mit erfasst werden. Normalerweise muss er den ganzen Song am Stück einspielen.

2. Jeder Musiker wird dann nach dem Schlagzeuger seine eventuell vorhandene PILOTSPUR durch neu eingespielte, mit dem richtigen Sound versehene Spuren ersetzen. Er kann sich den Mix vom Techniker so einstellen lassen, dass er beim Einspielen ein gutes Feeling bekommt. Kopfhörer sind keine Pflicht, verbessern aber manchmal die Genauigkeit. Durch die digitalen Schnittmöglichkeiten ist es hierbei nicht nötig, das Stück als Ganzes absolut fehlerfrei zu spielen.

3. Der Sänger muss meist mit Kopfhörern in den Aufnahmeraum, um das Einstrahlen von Nebengeräuschen zu unterbinden. Er muss nicht am Stück einsingen, manchmal macht das aber Sinn, um das richtige Feeling zu transportieren.

4. Wenn alles eingespielt ist, solltet ihr ein wenig Zeit für den Mix einplanen. Für euch gibt es dabei eigentlich keine stressigen Aufgaben.

5. Das fertige Material sollte "gemastert" werden. Ob bei uns oder nicht, steht euch natürlich frei.
 

Im Einzelnen könnte das folgendermaßen aussehen:

Nehmen wir einmal an, Ihr seid Musiker einer 5-köpfigen Band bestehend aus Schlagzeug, Bass, 2x Gitarre und Gesang. Wenn ihr weiblich seid, stoßt euch bitte nicht an fehlenden "sie"s und "-in"s.

Den besten Sound für eine CD-Produktion erreicht man, indem alle Instrumente von einander akustisch getrennt, bei uns heißt das in der Regel nacheinander, aufgenommen werden. Manche Profis sehen das anders, sie machen ja auch keine Spielfehler. Es gibt auch Musikrichtungen, wo ein Zusammenspiel in einem Raum angebrachter ist, im Normalfall allerdings nicht. Außerdem dürfen keine Spielfehler auf der späteren fertigen Produktion zu hören sein. Der Song soll sich aber dennoch lebendig anhören, so als wenn alle Musiker gleichzeitig in Super-Qualität den besten Take aller Zeiten hingelegt hätten. Der Zuhörer muss spüren: ” He, da spielt eine Band!” und nicht 5 "einzelne" Musiker, es sei denn das ist erwünscht.

Und das geht so:

Das Schlagzeug wird aufgebaut. Mikrofone werden möglichst so angebracht, dass ein Optimum an Klang und Spielbarkeit gegeben ist. Dafür wird ein Soundcheck gemacht, der je nach Aufnahme-Zeitraum schon mal 1-2 Stunden oder länger dauern kann. Dabei werden die Mikrofone in die optimale Position gebracht, Felle nachgestimmt, eventuell Trigger-Systeme angepasst und es wird eine vorläufige Klangeinstellung am Pult vorgenommen. Der Schlagzeuger spielt dazu nach Bedarf die einzelnen Teile seines Drumsets oder typische Passagen aus den aufzunehmenden Stücken.

Fertig... der Drummer sitzt jetzt voller Erwartung hinter seinem Schlagzeug im Aufnahmeraum, hat einen Kopfhörer über seine Ohren gestülpt und wartet auf die Dinge die da kommen. Die anderen Musiker befinden sich im Regieraum und haben ihre Instrumente umgeschnallt.

Der Drummer kann über den Kopfhörer alle anderen Musiker und die Regieanweisungen des Technikers hören. Umgekehrt hören natürlich die restlichen Musiker auch alles. Für Sichtkontakt ist gesorgt, auch wenn das manchmal ein Eigentor wird. Warum das alles? Für den einzuspielenden Song benötigen wir zunächst einen Super-Schlagzeug-Take. Wenn der Drum-Take nicht gut eingespielt wird, erübrigt sich alles weitere. Dass man manchmal Kompromisse eingehen muss, ist bei Amateur-Musikern verständlich. Alle anderen Musiker, außer der Drummer, dürfen jetzt noch Fehler machen, ohne dass es sich hinterher bei der fertigen CD-Produktion negativ auswirkt.

Der Drum-Take:

Dynamisch sollte er sein, das richtige Tempo sollte er haben, natürlich das Ganze auch noch fehlerfrei (einige wenige Kleinigkeiten können noch nachgebessert werden). Im Normalfall ist der jeweilige Song komplett von Anfang bis Ende durchzuspielen. Sollten längere Pausen des Schlagzeugs in dem Titel vorkommen, wird vorher entschieden, wie diese zu behandeln sind (eventuell Klick einfügen oder die Pause mittels Pilot-Gitarre/-Bass/-Gesang vordefinieren).

Damit der Drummer das richtige Gefühl für den Song bekommt, spielen die entscheidenden Musiker mit, bei Metal wäre das meist die Rhythmus-Gitarre oder der Bass. Alle benötigten Musikinstrumente werden gleichzeitig und jedes Instrument für sich (Pilot-Spuren), gemeinsam mit dem Schlagzeug aufgenommen. Wichtig ist hier, dass keiner der anderen Musiker verkrampft spielt, weil er Angst hat, durch einen Spielfehler die Aufnahme zu ruinieren. Von Bedeutung ist es, dass die Aufnahme den nötigen “Groove” bekommt. Spielfehler werden hinterher durch "richtiges" Einspielen der anderen Instrumente entfernt.

Jetzt geht’s los... die Regieanweisung ”Aufnahme läuft!"...

Der Drummer oder der Klick zählt vor und die Band spielt ihren Song. Ganz wichtig ist, dass dabei niemand die Aufnahme abbricht weil er meint, ER hätte sich verspielt oder so. Nur das Schlagzeug zählt jetzt. Wir wollen schließlich einen guten Take mit Drum-Spuren. Ob sich da der Sänger versingt, der Bassmann einen Falschen Ton oder der Gitarrist ein falschen Einsatz hatte, spielt zunächst überhaupt keine Rolle.

Das machen wir solange bis die Drums im Kasten sind. Es kommt oft vor, dass man diesen Song immer wieder spielen muss. Da darf von keinem Musiker die ”ist mir jetzt alles scheißegal" - Stimmung aufkommen! Das wirkt sich in jedem Fall negativ auf das Endergebnis aus. Also immer sein Bestes geben auch wenn es noch so anstrengend ist.

Denkt bitte daran, dass es, im Gegensatz zu allen anderen Instrumenten, bei den Drum-Aufnahmen so gut wie unmöglich ist, durch Technik Fehler zu beheben. Möglich ist das Verrücken, Dazusetzen oder Entfernen von Bassdrum-Schlägen, ein verschlagener Tomsound kann durch einen anderen Tomsound ersetzt werden. Auch wenn einmal die Snare nicht richtig getroffen wurde ist eine Reparatur durch Auswechseln des Sounds möglich.

Alle anderen Arbeiten am Drumset würden sich negativ auf den gesamten Drumsound auswirken, das liegt an den Overhead-Mikrofonen die über dem Drumset angebracht sind. Sie sorgen für den offenen Klang und nehmen das Schlagzeug als Ganzes auf. Die anderen Mikrofone an Snare, Toms, Hi-Hat, etc., sorgen für den präzisen, druckvollen Sound. Was also wirklich gespielt wurde, ist immer über die Overheads zu hören und verbietet so eigentlich jeden Eingriff in den zeitlichen Ablauf eurer Schläge.

Es ist prinzipiell möglich, Drum-Aufnahmen zu stückeln, d.h. in kurzen Passagen aufzunehmen, die dann zusammengefügt werden. Dies ist aber eine besondere Herausforderung für den Schlagzeuger und sollte längeren Produktionszeiträumen vorbehalten bleiben. Einerseits kostet der technische Mehraufwand einiges an Zeit, und so zu spielen, dass die Schnitte später unhörbar sind, liegt einem Schlagzeuger nicht so ohne weiteres im Blut.

Die weiteren Instrumente:

Das war auch schon einer der härtesten Teile: Die Drums sind fertig aufgenommen und die nötigen Bearbeitungen vorgenommen worden. Der Song wird jetzt von den anderen Musikern abgearbeitet. Als nächstes ist der Rhythmus-Gitarrist oder der Bassist an der Reihe. Bis auf seine ursprüngliche Gitarren-/Bass-Spur bekommt er nun den ganzen Song zu hören. Zuvor wird natürlich der Verstärker (oder was auch immer) so aufgebaut, eingestellt und mikrofoniert, dass dabei der optimale Klang aufgenommen werden kann. Das dauert natürlich auch wieder ein Weilchen.

Der Musiker, der jetzt an der Reihe ist, kann den Song mit den einzelnen Instrumenten so hören, wie er es für das Einspielen seiner Gitarren/Bass-Takes nötig hält. Wenn er sich verspielt, wird keine komplette Neu-Aufnahme nötig. Dank der digitalen Aufnahmetechnik ist ein Schneiden an beliebigen Stellen möglich und die fehlerhaften Passagen können jederzeit neu eingespielt werden. Bedenkt aber, dass die Aufnahmen dadurch nicht unbedingt zügiger ablaufen, meist verliert man sich dabei sehr im Detail, zu Gunsten der Qualität hoffentlich.

Im Aufnahmeraum befindet sich dabei meist nur der Verstärker und die Lautsprecherbox. Für ein angenehmes Arbeiten spielen die Musiker im Regieraum, was bei Schlagzeug und Gesang aus ersichtlichen Gründen natürlich nicht geht.  Klang-Effekte werden normalerweise nicht mit aufgenommen, es sei denn, sie sind zum Einspielen unerlässlich (z.B. Wah-Fußpedal).

Das gleiche Spielchen machen wir jetzt mit den restlichen Musikern, die auf verschiedenen Spuren ihre möglicherweise vorhandene Pilotspur ( die Spur, die ganz am Anfang gemeinsam mit den anderen Musikern eingespielt wurde) durch Cleanparts, Heavyparts und Soli ersetzen, die nacheinander aufgenommen werden. Dann noch der Leadgesang neu, die Backvocals dazu, ein paar Fill-ins und fertig ist der Song. Hört sich jetzt zwar kurz an, nimmt aber meist noch mal in etwa die dreifache Zeit in Anspruch wie die Drum-Aufnahme.

Nachdem das alles geschafft ist, hat der Song die richtige Dynamik, das richtige Tempo und ist hoffentlich fehlerfrei.

Der Mix:

Wenn alle Nachbearbeitungen abgeschlossen sind, beginnt der so genannte Mixdown.

Hierbei werden alle relevanten Spuren klanglich an das Wunsch-Hörbild angepasst, mit Effekten versehen, im Panorama und in der Lautstärke eingestellt. Für euch gibt es hierbei bis auf das Kundtun von Meinungen, nicht viel zu tun. Je nach zeitlichem Budget kann der Mix sich bis über mehrere Tage erstrecken. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf frischen Ohren, es sollte nicht länger als 6 Stunden am Stück gemixt werden. Es herrscht keine Anwesenheitspflicht, eher im Gegenteil;-)

Zu Vergleichszwecken werden dabei immer mögliche Versuchsversionen erstellt, die dann am nächsten Morgen in der heimischen Stereo-Anlage für Überraschungen sorgen können. Ist der Mix geschafft, erhaltet ihr nach Freigabe ein DAT-Band oder eine CD. Diese Aufnahmen sollten dann gemastert werden. Was das ist und warum ihr das tun solltet, wird an anderer Stelle erläutert (Mastering).
 

Anmerkung:

Wenn Eure musikalischen Vorbilder ins Studio gehen, dann nehmen die sich sehr viel Zeit für ihre Produktion, bis es die fertige CD in den Geschäften zu kaufen gibt. So viel Zeit habt ihr meist nicht, das würde den finanziellen Rahmen sprengen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die durchschnittliche Musikproduktion EINES Titels in der vorgenannten Arbeitsweise ca. 8 Stunden in Anspruch nehmen wird. Mal geht es schneller, mal braucht es eben länger.

Dem späteren Hörer der CD ist es völlig egal, ob da ein Titel mehr oder weniger drauf ist. Wenn die Songs nicht gut durchproduziert worden sind, wird er sehr schnell die Freude an den Songs verlieren. Das sollte ja wohl nicht das Ziel sein.

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